Akutes Nierenversagen: Ursachen, Symptome, Behandlung

Die Nieren sind lebenswichtige Organe für die Reinigung des Blutes. Sie filtern überschüssiges Wasser aus dem Blut und regulieren mit der Urinausscheidung den Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Außerdem filtern sie Abfallstoffe wie z.B. den Harnstoff, der beim Abbau von Eiweißen entsteht, oder Medikamente und andere Giftstoffe aus dem Körper. Daneben werden in den Nieren Hormone produziert, die für die Blutbildung (Erythropoetin) oder den Knochenstoffwechsel (Calcitriol) eine wichtige Funktion haben.

Bei einer Einschränkung der Nierenfunktion können viele verschiedene Probleme auftreten: Wassereinlagerungen, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Störungen im Knochenstoffwechsel, um nur einige Beispiele zu nennen.

Kann zu einer lebensbedrohlichen Situation führen
Bei einer chronischen Nierenkrankheit ist die Nierenfunktion über einen längeren Zeitraum eingeschränkt. Sie entwickelt sich meistens über Monate oder Jahre, die häufigsten Ursachen sind Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.

Bei einem akuten Nierenversagen kommt es innerhalb kurzer Zeit zu einer starken Einschränkung oder einem Verlust der Nierenfunktion, was zu einer lebensbedrohlichen Situation führt. 

Ursachen eines akuten Nierenversagens
Es gibt viele Ursachen für die Entstehung eines akuten Nierenversagens. Diese werden in der Medizin in drei Gruppen eingeteilt: Ursachen, die entsprechend dem Blutfluss im Körper vor den Nieren liegen, führen zu einem prärenalen Nierenversagen (prärenal bedeutet vor den Nieren). Dieses ist mit ca. 60% die häufigste Form eines akuten Nierenversagens. Bei einem prärenalen akuten Nierenversagen werden die Nieren nicht mehr ausreichend durchblutet. Ursache dafür kann ein starker Flüssigkeitsmangel durch erhöhte Flüssigkeitsverluste infolge von anhaltendem Durchfall und Erbrechen bei einem Magendarminfekt sein, aber auch bei starkem Blutverlust durch einen Unfall oder nach großen Verbrennungen auftreten. Die übermäßige Einnahme von entwässernden Medikamenten kann weitere Ursache sein. Andererseits kann durch die Einschränkung der Pumpfunktion, z.B. bei einem Herzinfarkt, der Blutdruck plötzlich absinken und dadurch die Durchblutung eingeschränkt sein. 

Ein sogenanntes intrarenales Nierenversagen kann bei Ursachen auftreten, die in den Nieren liegen und zu einer direkten Schädigung der Nieren selbst führen. Hierzu zählen beispielsweise Infektionen und Entzündungen der Nieren (Nierenbeckenentzündungen, Glomerulonephritis), Autoimmunerkrankungen, Erkrankungen der Nierengefäße wie Niereninfarkt oder Thrombose; Schadstoffe wie Drogen, aber auch nierenschädigende Medikamente wie NSAR (z.B. Ibuprofen, wenn es längerfristig und hochdosiert eingenommen wird).

Ursachen im Verlauf der Harnwege hinter den Nieren führen zu einem postrenalen Nierenversagen, wenn der Harn nicht mehr ausreichend abfließen kann. Hierzu kann es durch Nieren- oder Harnleitersteine, Verengungen der Harnröhre, beispielsweise durch Tumore oder andere Verstopfungen der Harnröhre kommen. Auch eine gutartige Vergrößerung der Prostata oder ein verstopfter Blasenkatheter kann eine mögliche Ursache sein. 

Symptome bei einem akuten Nierenversagen
Häufig wir ein akutes Nierenversagen zunächst nicht bemerkt. Vielleicht fällt zunächst nur eine Verminderung der Urinmenge auf. Oft wird ein akutes Nierenversagen erst im Verlauf bemerkt, wenn es zu Folgekomplikationen kommt. So kann es durch den Rückstau von zu viel Flüssigkeit im Körper zu Einlagerungen von zunächst in den Beinen und im Verlauf ggf. auch in der Lunge (Lungenödem) oder im Bauchraum (Aszites) kommen. Wenn Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend über den Urin ausgeschieden werden, kann es zu einer Harnvergiftung mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen Juckreiz, Verwirrtheit bis hin zum Koma kommen.

Wie wird ein akutes Nierenversagen festgestellt? 
Zunächst wird eine ausführliche Anamnese mit Fragen nach vorbestehenden Erkrankungen und der Medikamenteneinnahme erhoben und eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Außerdem folgen Laboruntersuchungen des Urins und des Blutes mit Bestimmung des Kreatinins und der glomerulären Filtrationsrate, und ggf. weitere Blutuntersuchungen wie Bestimmung eines Blutbildes, Elektrolyte, Leberwerte, im Krankenhaus Blutgasanalyse und ggf. Anlegen einer Blutkultur.
Ein Abflusshindernis lässt sich durch eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnwege feststellen.

Wie wird ein akutes Nierenversagen behandelt? 
Die Behandlung hängt von der jeweiligen Ursache ab. Im Falle eines Flüssigkeitsmangels wird im Krankenhaus eine Infusionsbehandlung durchgeführt. Wenn Medikamente das akute Nierenversagen ausgelöst haben, müssen diese ggf. abgesetzt, die Dosis angepasst oder durch andere Medikamente ersetzt werden. Bei einer Abflussstörung des Urins muss diese beseitigt werden wie z.B. Katheterwechsel im Falle eines verstopften Blasenkatheters oder Entfernung von Harn- oder Nierensteinen. Manchmal muss vorübergehend eine Dialyse durchgeführt werden.

Bei rechtszeitiger Behandlung erholen sich die Nieren nach einem akuten Nierenversagen meistens wieder, wenige Patientinnen und Patienten benötigen eine dauerhafte Dialyse. Neben dem Alter hat auch die Dauer der Erkrankung und eine mögliche Vorschädigung der Niere einen Einfluss auf den Verlauf.

Was können Sie vorbeugend selber tun? 
Bei bestimmten Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder einer vorbestehenden chronischen Nierenerkrankung ist das Risiko für ein akutes Nierenversagen erhöht. Daher ist es sinnvoll, zur Früherkennung alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up machen zu lassen, um eventuell vorbestehende noch nicht bekannte Vorerkrankungen frühzeitig festzustellen. Sind diese Vorerkrankungen bereits bekannt, sollten regelmäßige Verlaufskontrollen durchgeführt werden, um die medikamentöse Einstellung eines Diabetes mellitus oder Bluthochdrucks zu überprüfen und ggf. anzupassen. Und natürlich gelten die bekannten Empfehlungen zu ausreichender Bewegung, gesunder Ernährung und Vermeidung von Übergewicht, um das Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen so gering wie möglich zu halten. 


geschrieben von Dr. Hertramph
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