Metabolisches Syndrom – die westliche Wohlstandserkrankung

Geschätzt 15 Millionen Deutsche sind davon betroffen, doch obwohl so viele Menschen darunter leiden, kennen den Begriff nur wenige: das metabolische Syndrom. Es bündelt gleich mehrere der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch was genau steckt dahinter und wie lassen sich die Symptome erkennen?

Zunächst zur Begrifflichkeit: Der griechische Begriff „metabolisch“ bedeutet stoffwechselbedingt. Von einem Syndrom spricht man dann, wenn verschiedene Symptome zur gleichen Zeit auftreten. Beim metabolischen Syndrom treten folgende Symptome bzw. Krankheitsbilder gemeinsam auf:
  •     Übergewicht mit bauchbetonter Fetteinlagerung (Adipositas)
  •     Bluthochdruck
  •     erhöhter Nüchternblutzucker
  •     gestörter Fettstoffwechsel
Wohlstandssyndrom der westlichen Länder
All diese Faktoren erhöhen das Risiko für die Entwicklung von Diabetes, Herzerkrankungen und verengten Arterien in den Beinen. Dabei ist jedes dieser Symptome allein ein Risikofaktor, häufig treten sie jedoch gemeinsam auf und erhöhen das Risiko so besonders stark. Da das metabolische Syndrom und die entsprechenden Folgeerkrankungen insbesondere in reichen westlichen Ländern häufig vorkommen und vom dortigen Lebensstil (Bewegungsmangel, Überernährung) mitverursacht werden, spricht man auch vom Wohlstandssyndrom.

Ursachen des metabolischen Syndroms
Für die Entstehung des metabolischen Syndroms spielt das Hormon Insulin. Dieses wird bei steigendem Blutzucker ausgeschüttet und dient dazu, den Blutzucker zu senken, indem er in die Zellen aufgenommen wird. Bei Patient:innen mit einem metabolischen Syndrom sind die Insulinspiegel im Blut häufig chronisch erhöht, u.a. verursacht durch Überernährung und Bewegungsmangel. In der Folge werden die Zellen weniger empfindlich für Insulin, weshalb der Blutzucker erhöht bleibt, da er nicht in die Zellen aufgenommen wird. Als Gegenmaßnahme wird wieder mehr Insulin ausgeschüttet, was das Hungergefühl und die Nahrungsaufnahme erhöhen – es kommt zu einem Teufelskreis.

Persönliche Risikobewertung
Bei unserer ärztlichen Gesundheitsvorsorgeuntersuchung wird wie in der Erstanamnese erfragt, ob eine familiäre Vorbelastung besteht, neu hinzugekommen ist oder sich das Körpergewicht kürzlich verändert hat. Auch die Ernährung, körperliche Aktivität und Raucherstatus spielen für die Risikobewertung eine Rolle.

Darüber hinaus werden der Blutdruck gemessen und der BMI errechnet, ergänzend erfolgt eine Blutentnahme, um den Blutzucker und die Fette zu bestimmen. Manchmal werden auch die Leber- und Nierenwerten geprüft, allerdings ist dies ein nicht gesetzlich verankerter Bestandteil des Checks. Ebenso wird eine Urinprobe der Patient:innen untersucht. Um eine genaue Bewertung der persönlichen Risikosituation hinsichtlich der Fette treffen zu können, nutzen wir den Arriba Score.

Ultraschall- und EKG-Untersuchungen werden je nach Vorerkrankungen oder Dauermedikation durchgeführt, sie gehören nicht standardmäßig zum Check.

Behandlungsmöglichkeiten
Das Hauptziel bei der Behandlung eines metabolischen Syndroms ist, die Entwicklung von Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfällen zu verhindern. In der Frühphase kann dies durch disziplinierte Veränderungen des Lebensstils erreicht werden, mit der Betonung auf gesunder Ernährung (fettarme und salzarme Kost) und Bewegung.

In fortgeschrittenen Stadien können auch Medikamente das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. Eingesetzt werden in erster Linie Cholesterinsenker (Statine). Weitere Erkrankungen wie ein Bluthochdruck sollten ebenfalls behandelt werden. Eine gesunde Lebensweise ist jedoch auch dann unumgänglich.

Bewegung und Ernährung
Generell gelten die folgenden Empfehlungen: Sie sollten sich möglichst an 5 Tagen der Woche mindestens 30 Minuten bewegen oder Sport treiben. Dadurch werden die Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte gesenkt, die Gewichtsabnahme gefördert und die Insulinempfindlichkeit gesteigert.

Nehmen Sie mehr Obst, Gemüse und Ballaststoffe, weniger gesättigte Fettsäuren (Butter, Fleisch, fettige Milchprodukte wie Käse, Kokosöl, Palmöl) und wenig Salz zu sich. Empfohlen wird außerdem, ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu essen. Verzichten Sie möglichst auf Fertiggerichte, kochen Sie lieber selbst. Wählen Sie lieber weißes als rotes Fleisch. Eine solche Ernährungsumstellung wirkt sich positiv auf Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und Insulinresistenz aus. Wenn Sie die Ernährung umstellen und sich außerdem mehr bewegen, sodass Sie Gewicht verlieren, ist das zusätzlich positiv, denn schon eine geringe Reduktion des Körpergewichts kann das Risiko für Folgeerkrankungen senken.

Auch das Rauchen aufzugeben, ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um Erkrankungen des Herzens und der Gefäße zu verhindern.

Sprechen Sie uns an, wir unterstützen Sie in Ihrem Vorhaben.


geschrieben von Marvena Zeller
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