Alkohol – die unterschätzte Gefahr

Die Zahlen sind erschreckend, wenn man sich anguckt, wie hoch der Pro-Kopf-Verbrauch an diversen Alkoholika ist. Zwar gibt es leichte Schwankungen über die letzten Jahrzehnte, aber insgesamt muss man sagen, dass ein Pro-Kopf-Verbrauch von Bier im Jahr 2022 in Höhe von 91,8 Liter pro Person in Deutschland schon erheblich ist. Dazu kommen 19,9 Liter Wein sowie 3,2 Liter Schaumwein und 5,2 Liter Spirituosen. Wer das alles trinkt, hat sicher ein Problem.

Die Grenzen für einen risikoarmen Alkoholkonsum – und das bedeutet, dass Alkoholkonsum nie risikofrei ist – liegen bei 24 Gramm reinem Alkohol pro Tag für Männer. Das wären zum Beispiel zwei Gläser Bier a 0,3 Liter. Bei Frauen liegt ein risikoarmer Alkoholkonsum bei 12 Gramm reinem Alkohol, das entspricht einem Glas Bier.

Den Selbsttest machen
Wer seinen Umgang mit Alkohol überprüfen möchte, der kann sich die nachfolgende Zusammenstellung anschauen: https://www.dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/AWA_Z-Card_2022_-_Selbsttest.pdf

Dieser Selbsttest kann deutlich vermitteln, wo man mit seinem regelmäßigen oder nicht regelmäßigen Alkoholkonsum liegt.

Ein regelmäßiger Alkoholkonsum führt oft dazu, dass die Menge, die vertragen wird, sich steigert. Das bedeutet aber auch, dass größere Mengen Alkohol erforderlich sind, um die Rezeptoren im Belohnungszentrum im Gehirn zu befriedigen.

Der Weg in den Missbrauch und/oder die Abhängigkeit beginnt fast immer mit einer erhöhten Gewöhnung: Das Glas Alkohol am Feierabend wird scheinbar unverzichtbar. Ohne ein Glas Alkohol können schwierige Situationen vermeintlich nicht mehr gelöst werden und es tritt immer wieder ein verstärkter Drang nach Alkohol auf – das sogenannte Craving. Man trinkt mehr als eigentlich beabsichtigt und vernachlässigt womöglich seine Verpflichtungen im Alltag, so dass dies weiter zu Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch am Arbeitsplatz führen kann.

Körperliche Entzugserscheinungen
Ein Warnzeichen ist es, wenn der Körper Entzugserscheinungen entwickelt, sobald er keinen Alkohol trinkt. Es kommt zu Händezittern, Schwitzen und Ruhelosigkeit. Die Schwelle zur Alkoholabhängigkeit ist erreicht, wenn jemand die Kontrolle über den eigenen Alkoholkonsum verloren hat.

Abhängigkeit bedeutet, nicht mehr frei entscheiden zu können, wie oft man was und wie viel trinkt. Seit dem Jahr 1968 ist Alkoholabhängigkeit als Krankheit anerkannt. Es gibt ein gut ausgebautes Netz, ein Hilfesystem mit verschiedenen Anlaufstellen.

Diese Schäden kann Alkohol anrichten
Alkohol ist gesundheitsschädlich: Wer regelmäßig oder auch unregelmäßig Alkohol in insgesamt gefährlichen Mengen trinkt, läuft Gefahr, dass er Erkrankungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse, des Herzens, des Nervensystems und der Muskulatur entwickelt. Hochprozentiger Alkohol, gerne auch in Kombination mit Nikotin, ist ein wunderbarer Auslöser für Krebserkrankungen im Mund-Rachenbereich. Weitere Krebsformen, die eng assoziiert sind mit einem Alkoholkonsum, sind Erkrankung im Bereich der Speiseröhre, des Dickdarms und der Brustdrüse.

Fürchterlich sind die Auswirkungen eines Alkoholmissbrauchs in der Schwangerschaft: Die im Mutterleib heranwachsenden Kinder können schwerste Schädigungen erleiden, die lebenslang nicht überwunden werden können.

Weltweit führender Risikofaktor bei den Unter-50-Jährigen
Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnet Alkoholkonsum als einen der sieben führenden Risikofaktoren für Mortalität, in der Altersgruppe der 15- bis 49-Jährigen ist Alkoholkonsum weltweit sogar der führende Risikofaktor.

Man muss davon ausgehen, dass insgesamt circa 3 Millionen Menschen in Deutschland entweder alkoholabhängig sind oder einen schädlichen Alkoholgebrauch führen. In Zahlen bedeutet das: Im Jahr 2018 waren 4 Prozent aller Männer alkoholabhängig und 1,5 Prozent aller Frauen.

Enorme Kosten durch Alkoholsucht
Alkohol verursacht Kosten: Kosten entstehen durch die Behandlung von alkoholbezogenen Erkrankungen, durch die Behandlung in der Entzugstherapie, durch Behandlungskosten in der Arztpraxis und im Krankenhaus, durch Medikamente. Es entstehen aber auch milliardenhohe indirekte Kosten zum Beispiel durch Produktionsausfälle, durch krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit, aber auch durch Arbeitslosigkeit. Des Weiteren entstehen emotionale Kosten in all den Familien, wo ein Familiensystem durch den übermäßigen Alkoholgebrauch eines oder mehrerer Angehöriger kaputtgeht, wo durch Arbeitslosigkeit Existenzen bedroht sind oder vernichtet werden, wo es zur Wohnungslosigkeit kommt im finanziellen Fiasko. Natürlich sind die Abstufungen auf dem Weg bis dorthin groß. Auch der gesteigerte Alkoholgebrauch im Kleinen, der nicht so deutlich nach außen sichtbar wird, kann schädliche Wirkungen hinterlassen.

Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie uns an. Es gibt Hilfemöglichkeiten und Unterstützungssysteme. Überlegen Sie im Alltag, ob wir wirklich die Frage oder Anmerkung stellen sollten, dass unser Gegenüber keinen Alkohol trinkt. Sollte es nicht normaler sein, keinen Alkohol zu trinken? Ein Fest kann genauso lustig oder gar angenehmer sein, wenn weniger Alkohol oder gar kein Alkohol konsumiert wird. Alkohol als solcher hat sicher oft eine zu große Bedeutung in unserem Alltag.

Bleiben Sie gesund!

geschrieben von Brigitte Sauer
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