Hunde, Katzen & Co.: Was tun bei Tierbissen?

Dass Menschen von einem Tier gebissen werden, kommt häufiger vor als man zunächst denken könnte: In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 30.000 bis 50.000 solcher Vorfälle. Die häufigsten Bisse entstehen durch Hunde und Katzen. Bei Hunden geht man davon aus, dass sie ungefähr 60 bis 80 Prozent aller Bissverletzungen ausmachen. Bei Katzen sind es circa 20 bis 30 Prozent. Natürlich gibt es auch Bissverletzungen durch Menschen und exotischere Tiere wie Schlangen oder Skorpione, aber die wollen wir hier außen vorlassen.

Häufiger als Erwachsene sind Kinder betroffen. Das liegt an dem Umgang, den Kinder mit Tieren oft betreiben: Häufig gehen sie eher unbedarft an Tiere heran, die sie nicht kennen und irritieren oder verärgern sie wohlmöglich unbeabsichtigt.

Sofort die Wunde säubern
Das Allerwichtigste, wenn man von einem Tier gebissen wurde: Zunächst die Wunde säubern, indem man ein örtliches Desinfektionsmittel appliziert und die Wunde spült. Wenn sich der Biss am Unterarm oder der Hand befindet, entfernen Sie sofort allen Schmuck an den Fingern – es kann durchaus zu deutlichen Schwellungen kommen.

Der nächste Schritt muss sein, sich sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Es muss geklärt werden, wie tief die Wunde geht. Denn es macht einen großen Unterschied, ob die Bissverletzung nur die Haut und das Unterhautfettgewebe betrifft oder ob sie tiefer bis auf die Höhe von Sehnen oder Knochen reicht. Im letzteren Fall wäre das für uns in der Hausarztpraxis ein Zeichen, dass wir Sie sofort weiterschicken müssen. Bissverletzungen können gerade im Bereich der Peripherie wie den Händen oder Unterarmen, aber auch der unteren Extremität zu schwersten Komplikationen führen.

Ist der Tetanusschutz aktuell?
Der nächste Schritt ist zu überprüfen, ob ein ausreichender Tetanusschutz besteht. Die meisten von uns haben eine sogenannte Grundimmunisierung gegen Tetanus und anderes im Kindesalter erhalten, der alle zehn Jahre aufgefrischt werden muss. Wenn der Schutz unklar ist, dann impfen wir in so einer Situation immer. Zudem ist dann eine sogenannte passive Immunisierung erforderlich mit Immunabwehrstoffen, die sofort wirken. Das heißt, dass kein Intervall vergeht, indem der Körper den Schutz durch Antikörperbildung erst noch aufbauen muss.

Wenn das alles abgearbeitet ist, kommt der allerwichtigste Schritt: Gehen Sie ins Gespräch mit dem Tierbesitzer. Klären Sie unbedingt folgende Fragen:
  •  Wie konnte es zu dem Biss kommen?
  •  Ist das Tier bekannt dafür, dass es zuschnappt?
  •  Oder haben Sie selbst etwas falsch gemacht: Hätten Sie mit mehr Vorsicht an das Tier herangehen müssen, hätte das Kind das Tier nicht stören dürfen?
Oftmals antibiotische Therapie erforderlich
Sehr oft ist es erforderlich, dass bei einem Tierbiss eine antibiotische Therapie eingeleitet wird. Es werden kurzfristige Kontrollen vereinbart, um zu gucken, ob es zu einer schweren Wundinfektion kommt, die womöglich eine chirurgische Intervention erforderlich macht.

In Deutschland kann man davon ausgehen, dass die Haustiere gegen Tollwut geimpft sind. Insofern ist das eher nicht von Belang. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn ein Bissunfall im Ausland stattfindet. Dann muss nachgeforscht werden, soweit das möglich ist und gegebenenfalls der eben gebissene Mensch mit einem Tollwutimpfstoff behandelt werden.

So vermeiden Sie Tierbisse künftig
Und was können Sie tun, um zu vermeiden, dass das Ganze noch mal passiert? Vermeiden Sie Blickkontakt mit Hunden und ärgern Sie sie nicht. Streicheln Sie vor allem keine fremden Tiere, die Sie nicht kennen. Bei Ihren Kindern oder Enkelkindern sollten Sie unbedingt darauf aufpassen, dass diese nie mit einem Hund spielen, wenn kein Erwachsener dabei ist und dass die Kinder die Tiere nicht provozieren.

Wenn Sie oder Ihr Kind einen Hund streicheln möchten, dann warten Sie ab bis dieser an Ihnen geschnuppert hat – im Zweifelsfall das Tier lieber nicht streicheln als gebissen zu werden. Hunde, die gerade ihre Welpen versorgen, sollten Sie bitte auch nicht streicheln und nicht an die Welpen herangehen, da der Schutzinstinkt des Muttertiers oder Vatertiers dafür sorgen, dass den Welpen nichts passiert.

Passen Sie gut auf sich auf.


geschrieben von Brigitte Sauer
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