Bluthochdruck: Ursachen und Behandlung

Die Zahlen sind erschreckend hoch: in Deutschland leiden 60 Prozent aller Menschen über 60 Jahren an einem Bluthochdruck. Schaut man sich die Zahlen der 70- bis 79-Jährigen an, dann sind bereits dreiviertel aller Menschen in Deutschland betroffen. Weltweit bewegen sich die Zahlen übrigens im Bereich von rund 30 Prozent über alle Altersklassen verteilt.

Bluthochdruck (medizinisch: arterieller Hypertonus) ist eine Erkrankung des Herzkreislaufsystems. Dabei ist der Druck in den arteriellen Gefäßen, also den Gefäßen, die vom Herzen weg führen, dauerhaft erhöht. In aller Regel ist Bluthochdruck eine Erkrankung des steigenden Lebensalters, aber nicht nur Alter allein ist ein Faktor. Auch der Lebensstil spielt oft eine große Rolle.

Dauerhafte Schäden möglich
Fast jeder dritte Mensch in Deutschland leidet unter Bluthochdruck. Zwar weiß der Großteil von ihnen über die Erkrankung Bescheid. Aber allein das Wissen bedeutet nicht, dass ihr Blutdruck auch gut eingestellt ist. Sogar bei Kindern kann es zu Bluthochdruck kommen, etwa bei circa 3 Prozent.

Wenn der Druck in den Gefäßen dauerhaft erhöht ist und bleibt, dann kann es zu Schäden an wichtigen Organen wie Herz, Nieren, Gehirn und Augen kommen. Die möglichen Folgen daraus sind Schlaganfall, chronische Nierenschwäche, Herzinfarkt, Herzschwäche, Verschlechterung der Sehstärke sowie Durchblutungsstörungen.

Diese Grenzwerte gelten
Als Blutdruck bezeichnet man den Druck in unseren Blutgefäßen. Der Blutdruck wird immer in zwei Zahlen angegeben: Der obere Wert, der systolische Blutdruck, misst den Druck beim Herzschlag – also wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und das sauerstoffreiche Blut in die Peripherie pumpt. Der untere Wert, der diastolische Wert, misst den Druck in der Erholungsphase, deswegen ist dieser Wert immer niedriger.

Die Grenzwerte, die für einen Hochdruck gelten, haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Früher sprach man großzügig vom Faktor 100 + Lebensalter.

Ein Bluthochdruck liegt dann vor, wenn der Blutdruck in Ruhe diesen Grenzwerten liegt:
  • Optimal: <120/80 mm Hg
  • Normal: < 129/84 mm Hg
  • Hochnormal: < 139/89 mm Hg
  • Bluthochdruck: unterteilt in drei weiter Grade; alles über 140/90 mm Hg
Zielwert ist immer ein Blutdruck möglichst unter 135 zu 85, dieser Zielkorridor muss manchmal wegen weiter bestehender gesundheitlicher Störungen tiefer definiert werden. Werte in einem Bereich darüber gelten zwar bereits als Bluthochdruck, aber dieser Bereich ist manchmal bei älteren Menschen akzeptabel, um diese durch eine zu strikte Einstellung nicht zu gefährden.

Nicht immer liegt eine körperliche Ursache vor
Bei etwa 90 Prozent aller Erkrankten liegt keine fassbare körperliche Ursache vor. Bei diesen Menschen spricht man von einer sogenannten primären Hypertonie, einem primären Bluthochdruck. Die Betroffenen haben keine Erkrankungen, die direkt behandelbar wären. Oft liegt eine familiäre Häufung vor.

Diese 90 Prozent der Erkrankten erhalten damit die Diagnose einer essenziellen Hypertonie. Die übrigen 10 Prozent der Betroffenen leiden an einer sekundären Hypertonie. Dort liegen andere Grunderkrankungen vor, die die Ursache für die Entstehung des Bluthochdrucks sind. Das können zum Beispiel Hormonerkrankungen oder Nierenerkrankungen sein, aber auch ein sogenanntes Schlafapnoesyndrom. Bei diesen Menschen ist es das Ziel, die primäre Ursache zu behandeln, damit der Bluthochdruck verschwindet.
 
Organkomplikationen vermeiden
Die Gefahr, die von einem Bluthochdruck ausgeht: Unsere Organe können unter dem zu hohen Druck leiden und die Blutgefäße können geschädigt werden, wenn sie dauerhaft diesem zu hohen Druck ausgesetzt sind. Je älter wir werden, desto gefährlicher ist dies. Man kann sich das so vorstellen: Die Elastizität unserer Blutgefäße lässt genauso nach, wie die eines Gartenschlauches. Je älter der Schlauch wird, desto weniger elastisch ist er. Wenn ein zu hoher Druck auf solche alternden Gefäße trifft, dann kann es zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall kommen, die Nierenfunktion kann sich verschlechtern und es kann zu Veränderungen im Bereich der kleineren Gefäße auch im Bereich der Augen kommen.

Deswegen ist es so wichtig, eine gute Blutdruckeinstellung herbeizuführen, um diese späteren Organkomplikationen zu verhindern. Das heißt: Wir tun heute etwas, um spätere Schädigungen zu verhindern.
 
Macht sich Blutdruck bemerkbar?
Doch woran merke ich überhaupt, ob ich einen Bluthochdruck entwickle oder entwickelt habe? Bluthochdruck als solcher ist nicht spürbar in den meisten Fällen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir im Rahmen von Gesundheitsvorsorge-Untersuchungen regelmäßig nach dem Blutdruck gucken. Natürlich haben viele Menschen, wenn sie in eine Arztpraxis kommen primär einen zu hohen Blutdruck, einfach weil sie aufgeregt sind. Das lässt sich aber durch weitere Messungen auch im häuslichen Bereich oder zum Beispiel durch eine Langzeitblutdruckmessung überprüfen, ob es wirklich so ist, dass ein zu hoher Blutdruck besteht.

Manchmal sind Symptome, die auf einen Bluthochdruck hinweisen können, Schwindelgefühl, Ohrensausen, Kopfschmerzen oder auch Nasenbluten.
 
Und was ist zu tun, wenn jetzt die Diagnose eines Bluthochdrucks gestellt wurde? Wir schauen mit Ihnen, wo es Möglichkeiten zur Beeinflussung gibt. Zur Erinnerung: Zu den Risiken gehören steigendes Alter, Bestehen von Übergewicht oder Fettleibigkeit, Bewegungsmangel, Diabetes und falsche Ernährung. Die sind alles Stellschrauben, mit denen Sie im weiteren Verlauf versuchen können, den Blutdruck ohne Medikamente positiv zu beeinflussen.
 
Auch Nikotin, ein zu hoher Alkoholkonsum, Stress, depressive Erkrankungen und Schlafstörungen können die Entwicklung eines Bluthochdrucks begünstigen. Dazu gibt es geschlechtsspezifische Risikofaktoren: Frauen in der Schwangerschaft können einen Bluthochdruck entwickeln oder auch Menschen unter einer Hormontherapie.
 
Das können Sie selbst tun
Wir werden immer zuerst fragen, welche Risiken in ihrem Lebensstil begründet sind. Wir werden nach ihrem Gewicht gucken. Wir werden nach ihren Nikotingewohnheiten fragen und nach ihren Essensgewohnheiten – insbesondere in Bezug auf Genuss von Salz, Alkohol und Koffein. Es findet eine Untersuchung durch Labordiagnostik und Urindiagnostik statt und wir schicken Sie womöglich zu weiteren fachärztlichem Kolleg:innen, um die Diagnostik zu erweitern.

Dann werden wir mit Ihnen besprechen, wo Sie selbst die Stellschrauben in der Hand haben:
  • Ihr Salz-Konsum sollte kleiner als 6 g am Tag liegen. Das ist ein großes Ziel und nur schwer zu erreichen, wenn man bedenkt, dass Salz in vielen unserer Lebensmittel bereits enthalten ist. In jedem Fertigessen werden Sie einen höheren Gehalt an Salz finden als gewünscht. In Brot und Wurstwaren ist Salz vorhanden und auch in Käse ist unterschiedlich viel Salz vorhanden. Da gilt es auf die Produktinformationen zu gucken. Auch das Nachsalzen sollte überprüft werden, ein paar Kräuter sind vielleicht zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, aber der Gesundheit zuträglich.
  • Die zweite Stellschraube, die gut angehbar ist: Der Genuss von Koffein. Zu Koffein gehört nicht nur Kaffee oder Espresso, sondern gehört auch schwarzer Tee und grüner Tee. Auch hier kann man versuchen zum Beispiel mal eine Tasse koffeinfreien Kaffee zu trinken. Geschmacklich ist das heute nicht mehr unterscheidbar.
  • Nächster großer Punkt ist das Gewicht: Jedes Kilogramm Übergewicht bedeutet, dass der Körper sich mehr anstrengen muss, dass das Herz mehr Arbeit aufwenden muss, weil durch den erhöhten Widerstand in den Gefäßen der Blutdruck ansteigt und damit eben eine dauerhafte Bluthochdruckerkrankung entsteht. Also gilt es, wenn es möglich ist, das Gewicht zu reduzieren. Nicht jeder von uns kann im weiteren Leben wie Twiggy aussehen, aber oft reicht eine Gewichtsminderung um wenige Kilo, um eine Blutdruckverbesserung zu erreichen.
  • Wer regelmäßig in Bewegung ist mit Ausdauersportarten wie Walken, Spazieren, Fahrradfahren oder Schwimmen, kann erreichen, dass damit eine bessere Blutdruck-Einstellung gelingen kann. Egal, welche medizinische Fachgesellschaft Sie fragen, in aller Regel sollte man 5 x 30 Minuten in der Woche erreichen. Und noch einmal: Bewegung heißt nicht Hochleistungssport! Und wenn Sie die 30 Minuten nicht schaffen, ist es immer noch besser, mit den 10 Minuten zu starten als gar nichts zu tun.
  • Stress im Alltag trägt einen großen Teil zur Entstehung bei. Stress gibt es nicht nur zu Hause durch Streitigkeiten oder durch Überlastung, durch Pflege von Kindern oder anderen Angehörigen. Stress gibt es auch bei der Arbeit oder mit Freunden. Da gilt es zu gucken, ob es Möglichkeiten zur Stressminderung gibt. Und womöglich Zeiteinheiten zur Entspannung einbauen mit autogenem Training, Muskelentspannung oder Meditation oder vielen anderen Methoden, die heute leicht zugänglich sind.
  • Nikotin als solches bewirkt nicht, dass ihr Blutdruck steigt und der Verzicht auf Nikotin bewirkt nicht, dass Ihr Blutdruck dadurch sinkt. Aber jede Zigarette bedeutet, dass die Gefäße geschädigt werden und damit eben das Risiko für Gefäßerkrankungen weiter steigt. Wir können Ihnen das gerne zeigen, indem wir mit Ihnen ihren persönlichen Arriba-Score durchgehen. Dort sieht man genau, wie sich der Genuss von Nikotin auf das persönliche Gefäßrisiko auswirkt.
Behandlung mit Medikamenten möglich
Betroffene, die es nicht schaffen, durch eine Änderung des Lebensstils eine ausreichend gute Blutdruck-Einstellung zu erlangen, bleiben genug Medikamente, mit denen man in aller Regel eine gute Blutdruck-Einstellung erreichen kann. Es gibt verschiedene Medikamente, die von den Fachgesellschaften in den entsprechenden Leitlinien als Medikamente der ersten oder späteren Wahl eingeteilt werden.

Substanzklassen der ersten Wahl:
  • Hierzu gehören die so genannten ACE-Hemmer. Diese Medikamente hemmen die Bildung des körpereigenen Botenstoffs Angiotensin, dadurch wird weniger Angiotensin gebildet und somit kann der Blutdruck gesenkt werden. Dies sind Medikamente wie Ramipril oder Lisinopril und viele andere mehr. Es kommt gar nicht selten zu Reizhusten oder zu Schwellungen im Gesicht oder Mund und Rachenraum. In aller Regel sind die so genannten ACE-Hemmer aber sehr gut verträglich.
  • Genauso Mittel der ersten Wahl sind die so genannten Sartane oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker. Dazu gehören Medikamente wie Candesartan, Losartan oder Valsartan und viele andere mehr. Sie spielen der Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Angiotensin entgegen. Sie blockieren seine Annahmestelle (den Rezeptor) und wirken damit speziell der blutdruckerhöhenden Wirkung von Angiotensin entgegen. Die Wirkstoffklasse ist nebenwirkungsärmer und in aller Regel sehr gut verträglich.
  • Bei den sogenannten Kalziumantagonisten wie Amlodipin, Nitrendipin oder Lercanidipin ist es, so dass die Gefäße erweitert werden, indem die Muskelzellen der Gefäße entspannt werden. Deswegen kann es auch zum Auftreten von Schwellungen im Bereich der Knöchel kommen oder zu Veränderungen im Bereich des Zahnfleisches. Diese Medikamente können gut mit den mit den vorangehenden Substanzen kombiniert werden.
  • Weitere gut wirksame blutdrucksenkende Medikamente sind die so genannten Wasseraustreiber oder Diuretika. Hier gibt es verschiedene Substanzen, die unterschiedlich schnell eingreifen oder zur Wirkung kommen. Problematisch sind solche Medikamente bei Menschen, die sowieso schon eine eingeschränkte Trinkmenge haben, weil es dann zu einem Austrocknen, einer Exsikkose kommen kann und auch problematisch sind diese Diuretika bei Menschen mit einer Blasenschwäche. Leider ist es auch so, dass sich die Blutsalze unter diesen Medikamenten verschieben können. Deswegen sind unter diesen Medikamenten regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion und der Blutsalze dringlich erforderlich. Unter manchen dieser so genannten Wassertabletten kommt es auch dazu, dass die Lichtempfindlichkeit der Haut zunehmen kann und damit das Auftreten von weißem Hautkrebs begünstigt werden kann. Insofern sind diese Medikamente bei jungen Menschen sicher nicht als erste Wahl zu empfehlen.
Mittel der zweiten Reihe:
  • Heute nicht mehr Medikamente der ersten Wahl sind sogenannte Betablocker, wie zum Beispiel Metoprolol oder Bisoprolol. Diese Medikamente sorgen neben einer Blutdrucksenkung auch dafür, dass das Herz langsamer schlägt und damit der Herzmuskel entlastet wird und weniger Sauerstoff verbraucht. Dies ist insbesondere geeignet bei Patientinnen und Patienten, die an einer koronaren Herzekrankung mit Beschwerden oder an einer Herzschwäche leiden.
  • Weitere Medikamente sind sogenannte zentralwirksame Medikamente, die so gehören nicht zu den Mitteln der ersten Wahl. Dazu gehören zum Beispiel Moxonidin, Clonidin und einige andere. Erst wenn wir sehen, dass unter den Medikamenten der ersten Reihe keine ausreichend gute Blutdruck-Einstellung gelingt, dann würde man zu diesen Medikamenten greifen.
Verschiedene Optionen der Behandlung
Wenn wir anfangen, einen bei Ihnen neu diagnostizierten Bluthochdruck zu behandeln, dann ist es in aller Regel, so dass kein Notfall vorliegt. Damit haben wir auch die Zeit zu fragen und zu klären: Was sind Sie in der Lage, an Ihrem Leben zu verändern? Wollen Sie versuchen, erst einmal ohne Medikamente auszukommen, oder sagen Sie: Momentan habe ich gar nicht die eigenen Ressourcen dazu? Wenn das der Fall ist, dann wollen Sie vielleicht erst einmal anfangen mit einem Blutdruck-Medikament und den Lebensstil später mehr ins Visier nehmen. Oft ist es nicht möglich, Blutdruck-Medikamente wieder abzusetzen, einfach weil die Grundvoraussetzungen sich nicht ausreichend geändert haben. Aber manchmal ist es durchaus so, dass, wenn Patientinnen und Patienten genug Gewicht abgenommen haben, ihren Lebensstil angepasst haben, eine vorher bestehende Medikation nicht mehr erforderlich ist oder zumindest gemindert werden kann. Nach eingeleiteter Medikation bitten wir Sie weiter, Ihre Werte zu kontrollieren, erst im engeren Abstand. Diese Intervalle werden dann verlängert und die Medikamente gegebenenfalls auch angepasst.

Wenn Sie jetzt anfangen mit einem blutdrucksenkenden Medikament, ist es bei manchen Menschen so, dass in den ersten Wochen der neue, dann gut eingestellte Blutdruck eher als unangenehm empfunden wird. Dies ist eine Frage der Gewöhnung. Wir lernen, uns an einen zu hohen Blutdruck zu gewöhnen. Es dauert, sich wieder an normale Blutdruckwerte zu gewöhnen, wenn wir davor auf einem zu hohen Druckniveau unterwegs gewesen sind. Insofern geben Sie sich Zeit, sich daran zu gewöhnen. Nach etwas Zeit, bis zu ein paar Wochen, fühlen Sie sich dann in aller Regel wieder fit und auch leistungsfähig.


Weitere Informationen: www.hochdruckliga.de/

Dort gibt es viele wissenswerte Materialien, teils zum Herunterladen, teils als Videos, Infos zu weiteren Ansprechpartnern, zu Selbsthilfe-Telefon und Selbsthilfegruppen, sprich ein buntes Portfolio auf hohem wissenschaftlichen Niveau. Dort sind Sie mit ihren Fragen gut unterwegs. Ansonsten stehen auch wir Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.


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Nach dem Hype in den 1990er und den frühen 2000er Jahren über Magensäureblocker wie Omeprazol oder Pantoprazol ist mittlerweile in Studien klar geworden, dass zwar die Wirkung sehr gut ist, aber eine dauerhafte Anwendung durchaus auch bleibende Schäden, wie zum Beispiel eine Osteoporose, nach sich ziehen kann. In kleinen Mengen sind die oben angeführten Wirkstoffe in den Apotheken frei verkäuflich. Es gibt aber immer wieder Menschen, die anhaltende Beschwerden wie Sodbrennen beklagen und dann auch dauerhaft sogenannte PPI (Protonenpumpenhemmer) nehmen wollen. Patientinnen und Patienten, die unter anhaltenden Beschwerden leiden, kommen auf Dauer nicht um eine Magenspiegelung herum. Manchmal kommen dabei Krankheitsbilder zum Vorschein, die ohne dauerhafte Behandlung in bösartigen Krankheiten enden können. Oft aber ist es so, dass auch mit etwas Lebensstiländerung auf einen Teil oder alle Medikamente verzichtet werden kann. Was kann konkret helfen? Es ist sinnvoll, mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt zu essen statt großer Mengen auf einmal. Halten Sie einen Abstand von 3 Stunden zwischen der letzten Mahlzeit und dem Zubettgehen ein. Es sollte keine enge Kleidung getragen werden, weil diese auf den Magen drücken und so zum Aufsteigen des sauren Magensaftes führen kann. Genussmittel wie saure Säfte oder Wein, aber auch andere hochprozentige Alkoholika und Nikotin können Sodbrennen verursachen und sollten deswegen reduziert oder gänzlich vom Speiseplan gestrichen werden. Auch andere säurehaltige Speisen wie Fruchtsäfte, Tomaten oder saure Beeren und auch kohlensäurehaltige Getränke sollten eher gemieden werden. Wer immer wieder unter Sodbrennen leidet, sollte beobachten, wann die Beschwerden auftreten. Wer nachts Beschwerden hat, kann versuchen, den Oberkörper höher zu lagern, zum Beispiel mit einem verstellbaren Lattenrost. Damit kann das Zurücklaufen des sauren Magensaftes in die Speiseröhre verhindert werden. Manchen Menschen hilft es, auf der rechten Körperseite zu schlafen, auch dann kann der Magensaft schlechter in die Speiseröhre zurücklaufen. Reduzieren Sie ihr Gewicht, wenn Sie Übergewicht haben; damit senkt sich der Druck im Bauchraum Wenn Sie zu Verstopfung neigen, sorgen sie für eine regelmäßige Stuhlentleerung. Das Pressen bei der Darmentleerung kann auch zu einem Hochlaufen des Magensaftes führen. Vermeiden Sie Tätigkeiten, wo Sie regelmäßig kopfüber arbeiten müssen, dies erhöht den Druck im Bauchraum Wenn Sie Medikamente einnehmen müssen, dann achten Sie darauf, diese mit genügend Flüssigkeit einzunehmen, damit die Tabletten auch im Magen landen und nicht davor in der Speiseröhre kleben bleiben. Was hilft noch? An rezeptfreien Alternativen fällt vielen sicher zuerst das gute alte Natron ein, gelegentlich angewandt in kleinen Mengen kann es aufgelöst in wenig Wasser die überschüssige Säure binden. Bei zu häufiger Anwendung kann es zu einer Verschiebung in unserem Säurehaushalt führen; deswegen ist Vorsicht geboten. Durch Kaugummi-Kauen wird Speichel produziert, dieser kann in kleinen Mengen den Magensaft neutralisieren. Dieses Mittelchen ist sicher aus den verschiedensten Gründen nicht für jeden geeignet. Auch ein Glas Milch oder säurearmer Tee (zum Beispiel Kamille) können Linderung bringen. Des Weiteren gibt es verschiedene Teemischungen gegen Sodbrennen: eine Mischung aus Kamille, Malve und Eibisch kann einen gereizten Magen beruhigen Fenchel-Anis-Kümmel-Tee ist wohltuend für den Magen-Darm-Trakt bekannt und durchaus schmackhaft Kamille-Fenchel-Süßholzwurzel-Tee Auch andere freiverkäufliche Medikamente können hilfreich gegen Sodbrennen sein, das sollte aber in einem Gespräch geklärt werden, weil nicht alles für jeden zu jeder Zeit das Richtige ist. Manchmal ist es so, dass Patientinnen und Patienten schon lange Säurehemmer genommen haben und gerne die Dosis reduzieren wollen oder sollen. Dann ist es sinnvoll, langsam mit der Dosis runterzugehen, also, nicht von heute auf morgen alles abzusetzen, sondern das Medikament erst mal jeden zweiten und dann jeden dritten Tag einzunehmen. Der Wirkstoff hat eine lange Wirkdauer, so dass dies durchaus funktionieren kann. Und wenn beim Ausschleichen Beschwerden auftreten, dann können genau diese Hausmittel hilfreich sein. geschrieben von Brigitte Sauter Dienstag, den 7. April 2026
13. März 2026
Aufgabe der Haut Die Haut, das größte Organ des Menschen, bildet die Barriere zwischen Umwelt und Körperinnerem. Sie puffert äußere Einflüsse ab, schützt den Körper vor Licht, Wasser, Schadstoffen und Keimen. Über Fühler in der Haut erspürt der Tastsinn Berührungen und Druck. Sinneszellen und Nerven nehmen Schmerz- und Temperaturreize auf, filtern sie und leiten sie nach innen. Die Haut regelt den Austausch von Wärme sowie die Abgabe von Schweiß und anderen Substanzen nach außen. Was verursacht trockene Haut? Im Gesicht erscheint trockene Haut oft müde und fahl. Manchmal zeigen sich dünne Schuppen und gerötete Stellen. Auf rauen Wangen entwickeln sich rasch feine Fältchen. Besonders leicht spannt und juckt die Haut auch an den Unterschenkeln über den Schienbeinen, an Füßen, Händen, Ellbogen und Unterarmen. Wenn der Haut anhaltend Fett und Feuchtigkeit fehlen, zieht sie sich pergamentartig zusammen. Erhält sie dann nicht ausreichend Schutz und Pflege, kann sie sich vermehrt schuppen, rissig werden und sich entzünden. Menschen, die zu trockener Haut neigen, bringen meist die Anlage dafür mit. Aber viele verstärken diese Tendenz noch durch ihren Lebensstil und falsche Pflegegewohnheiten. Äußere Einflüsse wie Kälte, Hitze, Sonne und Wasser sowie Reizstoffe spielen eine wesentliche Rolle, wenn die Haut anfängt zu spannen und zu ziehen. Von innen her wirken Flüssigkeitsmangel, einseitige Ernährung, Hormonschwankungen und nicht zuletzt die Psyche auf den Hautzustand. Außerdem wird die Haut im Alter natürlicherweise trockener. Warum trocknet die Haut aus? Ausgeprägte Hauttrockenheit zeigt manchmal einen bedrohlichen Flüssigkeitsverlust im Körper an. Sie kann auch Teil einer bestimmten Krankheit sein. Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Kontaktekzeme, Schuppenflechte. Einige Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes mellitus, kommen ebenfalls als Verursacher infrage. Die Hautbarriere "bröckelt", wenn die Haut Feuchtigkeit und Fette (Lipide) verliert und nicht mehr fähig ist, den Verlust auszugleichen. Dann trocknet die Haut aus. Um das zu verhindern, gibt der Körper normalerweise Flüssigkeit an die Oberhaut ab. Deshalb ist es zum Beispiel wichtig, ausreichend zu trinken. Zum anderen leiten die beiden unteren Hautschichten Lipide nach oben. Schließlich produzieren die in der Haut angelegten Talgdrüsen ein Fettgemisch, das die Hautoberfläche mit einem schützenden Film überzieht. Je älter die Haut wird, umso weniger kann sie Feuchtigkeit speichern und Fette bilden. Unsere Schutzhülle wird im Laufe des Lebens dünner und verletzlicher. Äußere sowie innere Einflüsse können ein von Natur aus eher trockenes Hautbild noch verstärken und die Hautbarriere angreifen. Einflüsse von außen Wind und Wetter: Sowohl bei Kälte wie bei Hitze gibt die Haut vermehrt Feuchtigkeit ab. Ist zudem die Luftfeuchtigkeit geringer, trocknet sie schneller aus. Wenn es heiß ist, verliert die Haut durch vermehrtes Schwitzen weiter an Flüssigkeit. Sonneneinstrahlung: Einerseits nutzt die Haut das Sonnenlicht, um mit seiner Hilfe Vitamin D zu bilden. Ist die Haut jedoch länger und intensiver der Sonne ausgesetzt, fangen die betroffenen Partien an zu spannen, sie röten sich und können schmerzen. Häufige Sonnenbrände setzen der Haut nachhaltig zu. Es erhöht das Risiko, in späteren Jahren an Hautkrebs zu erkranken, erheblich. Eng sitzende Kleidungsstücke lassen die Haut oft zu wenig atmen. Zudem schwitzt sie stärker. Trockene Haut schuppt und juckt dann vermehrt. Auch raue Stoffe oder chemische Zusätze in den Materialien setzen gereizter Haut zu. Im Alltag hantieren wir häufig mit unterschiedlichen chemischen Substanzen , die bei direktem und wiederholtem Kontakt die Haut angreifen können. Reinigungs- und Waschmittel, Farben, Lacke, Lösungsmittel gehören dazu. Deshalb ist es wichtig, gefährdete Hautbereiche mit entsprechender Kleidung zu schützen, um Kontaktekzeme und andere entzündliche Reaktionen zu vermeiden. Das gilt insbesondere für Menschen, die beruflich ständig mit Reizstoffen umgehen. Einflüsse von innen Schwitzen: etwa beim Sport oder bei hochsommerlichen Temperaturen, ist eine wesentliche Maßnahme des Körpers, um den Wärmehaushalt auszugleichen. Dadurch gehen jedoch kurzfristig Flüssigkeit und Salze verloren. Durch Trinken, etwa vor oder nach dem Sport, gleichen wir den Verlust wieder aus. Zu wenig trinken: Die Haut ist auf einen ausgeglichenen Wasserhaushalt im Körper angewiesen. Wer über längere Phasen zu wenig trinkt, sein Durstgefühl unterdrückt, etwa in Stresszeiten, nimmt der Haut ihr Feuchtigkeitspolster. Rauchen: Oft verrät die Haut den Raucher, da die Gesichtshaut bei vielen Rauchern blass, trocken und grau wirkt. Sie zeigt frühzeitig feine Fältchen. Das Risiko für Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, die mit trockener Haut einhergeht. Alkohol: Wer Alkohol trinkt, schwitzt stärker. Allein dadurch trocknet die Haut leichter aus. Stress, seelische Belastungen: Dass die Haut der Spiegel der Seele ist, kennen viele aus eigener Beobachtung. Glückliche, entspannte Lebensphasen beflügeln, ebenso wie positiver Stress und lassen die Haut frisch und rosig erscheinen. Kehrt sich befriedigende Aktivität in negative Daueranspannung um, leidet die Haut sichtbar mit. Sie wird blass und fahl, spannt, schuppt und juckt. Lebensalter, hormonelle Veränderungen: Verschiedene Hormone, darunter die Geschlechtshormone, beeinflussen auch den Hautzustand. Insbesondere Frauen erleben es, dass sich ihr Hauttyp im Laufe ihres Lebens verändert. Sie normalisiert sich später, etwa unter Einnahme eines Verhütungsmittels oder während der Schwangerschaft und Stillzeit. In den Wechseljahren schließlich neigt die Haut oft deutlich zu Trockenheit. Erkrankungen, wie z.B. die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus , zeigt sich die Haut sehr häufig trocken, sie juckt und neigt zu Entzündungen. Mangelernährung ist zu vermeiden wichtig ausgewogene Ernährung, Vitamin- und Mineralstoffreich. Was hilft unserer Haut? Schutz vor Kälte: Packen Sie im Herbst und Winter empfindliche Partien gut ein, wenn Sie ins Freie gehen, die Hände zum Beispiel mit Handschuhen. Wappnen Sie das Gesicht mit einer fetthaltigen Creme gegen kalte Luft, und geben Sie erst wenn Sie wieder im Warmen sitzen, feuchtigkeitsspendende Produkte dazu. Schutz vor Sonne: Verwenden Sie am besten Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor, und zwar nicht nur gegen die Sommersonne, sondern auch an goldenen Winter- und Frühlingstagen sowie im Gebirge und am Meer. Außerdem bewahren Hüte und luftige, helle Kleidung im Frühjahr und Sommer vor einem Zuviel an schädlichen Strahlen. Schutz vor Feuchtigkeitsverlusten: Da trockene Haut nicht nur Fett, sondern insbesondere auch Feuchtigkeit braucht, helfen Sie ihr, wenn Sie ausreichend trinken. Das bedeutet, täglich mindestens 1,5 Liter geeignete Flüssigkeit (zusätzlich zum flüssigen Anteil in fester Nahrung wie etwa Obst) aufzunehmen. Menschen mit einigen Herz-, Leber- oder Nierenleiden müssen jedoch die für sie geeignete Trinkmenge mit ihrem Arzt absprechen. Behutsame Körperpflege: Duschen Sie mit lauwarmem Wasser, eventuell auch nur jeden zweiten Tag. Übertriebenes Waschen und heftiges Rubbeln greifen die Haut an. Gewöhnliche Seifen oder entfettende Waschgels verstärken die Trockenheitsprobleme noch. Auch häufige Peelings verträgt trockene Haut nicht gut, da ihre Hornschicht dünner und nicht so robust ist. Duftstoffe und Konservierungsmittel in Kosmetikprodukten reizen die empfindliche Haut zusätzlich. Sie kann allergisch reagieren. Rötungen und entzündliche Stellen sind die Folge. Verwenden Sie milde, seifenfreie, hautneutrale Dusch- und Waschgels . Ausgiebige Vollbäder sind nichts für trockene Haut. Wählen Sie Hygiene- und Pflegeprodukte, die Feuchtigkeit spenden, rückfetten und möglichst nicht parfümiert sind. Wasser und Glycerin sollten daher bei den Inhaltsstoffen so weit vorn wie möglich stehen. Wer trockene Haut hat, darf ruhig reichlicher cremen, aber Vorsicht: Auch ein Zuviel des Guten setzt der Haut zu. Ein Klassiker der Körperpflege ist die Body-Creme. Cremes haben meist einen höheren Fettanteil als beispielsweise Lotionen, ziehen daher aber auch langsamer in die Haut ein. Sie sind gut geeignet für die Pflege kleinerer, besonders trockener Körperstellen, wie den Ellenbogen oder den Knien. Je schuppiger die Haut ist, desto höher sollte der Fett Anteil sein. Öle haben den höchsten Fettanteil. Wird ein Körperöl direkt nach dem Duschen in die noch feuchte Haut einmassiert, schließt es die Feuchtigkeit in den Poren ein und sorgt gleichzeitig dafür, dass die Hautoberfläche wieder geschmeidiger wird. Einige pflanzliche Öle können zudem entzündungshemmend wirken. Der Nachteil: Viele Öle hinterlassen einen leicht klebrigen Film. Die Sorge, Öle würden die körpereigene Fettproduktion beeinflussen, ist unberechtigt. Bei ausschließlicher Anwendung können Öle aber verhindern, dass die Haut ausreichend Feuchtigkeit bekommt, was die Haut langfristig austrocknen kann. Gegen eine gelegentliche Nutzung von Körperölen spricht aber nichts. Lotionen haben im Vergleich zu Creme oder Öl den höchsten Wasseranteil, lassen sich meist leicht auftragen und ziehen schnell ein. Welcher Zusatz ist sinnvoll? Urea (Harnstoff) lagert sich in den oberen Hautschichten ein und bindet dort Feuchtigkeit. Von außen aufgetragen sorgt Urea dafür, dass trockene Haut besser abschuppen kann. Die Oberfläche wird glatter. Bei normaler Haut, die gerade mal etwas trocken ist, reichen fünf Prozent Urea aus. Sehr trockene Haut verträgt auch zehn Prozent. Eine höhere Konzentration ist für diesen Einsatzbereich nicht zu empfehlen. Mit 20 Prozent Urea lässt sich bereits Hornhaut an den Füßen lösen. Wird eine Lotion oder Creme auf kleinste Verletzungen aufgetragen, kann es zu einem starken Brennen kommen. Deshalb sollte man direkt nach dem Rasieren auf Urea-haltige Produkte verzichten. Panthenol ist die Vorstufe von Vitamin B 5 und auch unter dem Namen Dexpanthenol bekannt. Es kann bei trockener Haut helfen, weil es die Zellerneuerung unterstützt. Panthenol ist auch bei Hautirritationen oder rissiger Haut geeignet. geschrieben von Marvena Zeller Freitag, den 13. März 2026
von Brigitte Sauter 23. Januar 2026
Im Sommer war es groß in der Presse zu lesen: Die Lebenserwartung in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr wieder auf das Vor-Corona-Niveau bewegt. Während in der Pandemie die Lebenserwartung bei Frauen und Männern gesunken war, liegen nun wieder Werte wie aus dem Jahr 2019 vor – im Durchschnitt erreichen in Deutschland Frauen ein Alter von etwa 83 Jahren, Männer ein Alter von 78 Jahren. Lebensstil hat Einfluss auf die Gesundheit Unsere Lebenserwartung wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: In Westeuropa haben wir ein gutes Gesundheitssystem, in der Regel eine freie Verfügbarkeit von sauberem Wasser und Nahrungsmitteln sowie eine gute Wohn- und Lebenssituation – dies alles führt zu einer höheren Lebenserwartung der Bevölkerung. Das ändert sich rasch, wenn es zu Krieg, Naturkatastrophen, Seuchen, Hungersnöten oder noch Schlimmeren kommt. Mitbeeinflusst wird unsere Lebenserwartung aber durchaus auch durch die Gene, die wir in die Wege gelegt bekommen. Man geht davon aus, dass in den ersten sieben bis acht Lebensjahrzehnten der Lebensstil einen stärkeren Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Wer sich gesund ernährt, regelmäßig Sport treibt, nicht zu viel Alkohol trinkt und Nikotin meidet, kann womöglich bis ins hohe Alter gesund leben. Wenn es um deutlich ältere Menschen geht, scheinen die Gene eine wichtige Rolle zu spielen. Aber natürlich können auch Unfälle oder oben aufgeführte Katastrophen im Einzelfall unser Leben stark verkürzen und vorzeitig beenden. Auch die Wahl unseres Berufes oder unserer Freizeitaktivitäten beispielsweise kann durchaus eine Rolle spielen, wenn es um unsere Lebenserwartung geht. Sprich, wer risikoreiche Sportarten betreibt, geht ein höheres Risiko ein. Wohlstandserkrankungen als Risikofaktoren Als Risikofaktoren für eine kürzere Lebenserwartung gelten einige unserer Wohlstandserkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht und Fettleibigkeit, Zuckererkrankung, Bewegungsmangel, aber auch Fehlernährung, Nikotinmissbrauch sowie übermäßiger Alkoholkonsum. An diesen Punkten besteht also durchaus eine Möglichkeit, an den Stellschrauben zu drehen. Schon immer sehen wir unterschiedliche Lebenserwartungen für Frauen und Männer. Dazu kommen regionale Unterschiede sowohl beim Blick auf ganz Deutschland als auch auf Bremen in den einzelnen Stadtteilen. Hier zeigt sich eine Korrelation der Lebenserwartung mit den sogenannten sozioökonomischen Faktoren: Wer in Armut lebt, hat das Risiko, früher zu Tode zu kommen. Wenn wir unsere Lebenserwartung hier in Bremen angucken, sieht man, dass die Lebenserwartung für beide Geschlechter im Vergleich mit dem Rest der Bundesrepublik tiefer ausfällt. Auch innerhalb von Bremen gibt es eklatante Unterschiede. Männer in Gröpelingen, Walle oder Woltmershausen haben eine durchschnittlich um bis zu fünf bis sieben Jahre niedrigere Lebenserwartung als in Schwachhausen oder Oberneuland. Was bedeutet das alles für uns? An unserer Genetik können wir noch nichts ändern, aber unser Lebensstil ist durchaus veränderbar. Hier gilt: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und Sport im Alltag, der Verzicht auf legale und illegale Drogen sind immer eine gute Herangehensweise, um die persönliche Lebenserwartung und hoffentlich auch Lebenszufriedenheit zu steigern. In diesem Sinne bleiben Sie oder werden Sie gesund? geschrieben von Brigitte Sauter Freitag, den 23. Januar 2026
10. Dezember 2025
Die Nieren sind lebenswichtige Organe für die Reinigung des Blutes. Sie filtern überschüssiges Wasser aus dem Blut und regulieren mit der Urinausscheidung den Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Außerdem filtern sie Abfallstoffe wie z.B. den Harnstoff, der beim Abbau von Eiweißen entsteht, oder Medikamente und andere Giftstoffe aus dem Körper. Daneben werden in den Nieren Hormone produziert, die für die Blutbildung (Erythropoetin) oder den Knochenstoffwechsel (Calcitriol) eine wichtige Funktion haben. Bei einer Einschränkung der Nierenfunktion können viele verschiedene Probleme auftreten: Wassereinlagerungen, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Störungen im Knochenstoffwechsel, um nur einige Beispiele zu nennen. Kann zu einer lebensbedrohlichen Situation führen Bei einer chronischen Nierenkrankheit ist die Nierenfunktion über einen längeren Zeitraum eingeschränkt. Sie entwickelt sich meistens über Monate oder Jahre, die häufigsten Ursachen sind Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Bei einem akuten Nierenversagen kommt es innerhalb kurzer Zeit zu einer starken Einschränkung oder einem Verlust der Nierenfunktion, was zu einer lebensbedrohlichen Situation führt. Ursachen eines akuten Nierenversagens Es gibt viele Ursachen für die Entstehung eines akuten Nierenversagens. Diese werden in der Medizin in drei Gruppen eingeteilt: Ursachen, die entsprechend dem Blutfluss im Körper vor den Nieren liegen, führen zu einem prärenalen Nierenversagen (prärenal bedeutet vor den Nieren). Dieses ist mit ca. 60% die häufigste Form eines akuten Nierenversagens. Bei einem prärenalen akuten Nierenversagen werden die Nieren nicht mehr ausreichend durchblutet. Ursache dafür kann ein starker Flüssigkeitsmangel durch erhöhte Flüssigkeitsverluste infolge von anhaltendem Durchfall und Erbrechen bei einem Magendarminfekt sein, aber auch bei starkem Blutverlust durch einen Unfall oder nach großen Verbrennungen auftreten. Die übermäßige Einnahme von entwässernden Medikamenten kann weitere Ursache sein. Andererseits kann durch die Einschränkung der Pumpfunktion, z.B. bei einem Herzinfarkt, der Blutdruck plötzlich absinken und dadurch die Durchblutung eingeschränkt sein. Ein sogenanntes intrarenales Nierenversagen kann bei Ursachen auftreten, die in den Nieren liegen und zu einer direkten Schädigung der Nieren selbst führen. Hierzu zählen beispielsweise Infektionen und Entzündungen der Nieren (Nierenbeckenentzündungen, Glomerulonephritis), Autoimmunerkrankungen, Erkrankungen der Nierengefäße wie Niereninfarkt oder Thrombose; Schadstoffe wie Drogen, aber auch nierenschädigende Medikamente wie NSAR (z.B. Ibuprofen, wenn es längerfristig und hochdosiert eingenommen wird). Ursachen im Verlauf der Harnwege hinter den Nieren führen zu einem postrenalen Nierenversagen, wenn der Harn nicht mehr ausreichend abfließen kann. Hierzu kann es durch Nieren- oder Harnleitersteine, Verengungen der Harnröhre, beispielsweise durch Tumore oder andere Verstopfungen der Harnröhre kommen. Auch eine gutartige Vergrößerung der Prostata oder ein verstopfter Blasenkatheter kann eine mögliche Ursache sein. Symptome bei einem akuten Nierenversagen Häufig wir ein akutes Nierenversagen zunächst nicht bemerkt. Vielleicht fällt zunächst nur eine Verminderung der Urinmenge auf. Oft wird ein akutes Nierenversagen erst im Verlauf bemerkt, wenn es zu Folgekomplikationen kommt. So kann es durch den Rückstau von zu viel Flüssigkeit im Körper zu Einlagerungen von zunächst in den Beinen und im Verlauf ggf. auch in der Lunge (Lungenödem) oder im Bauchraum (Aszites) kommen. Wenn Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend über den Urin ausgeschieden werden, kann es zu einer Harnvergiftung mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen Juckreiz, Verwirrtheit bis hin zum Koma kommen. Wie wird ein akutes Nierenversagen festgestellt? Zunächst wird eine ausführliche Anamnese mit Fragen nach vorbestehenden Erkrankungen und der Medikamenteneinnahme erhoben und eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Außerdem folgen Laboruntersuchungen des Urins und des Blutes mit Bestimmung des Kreatinins und der glomerulären Filtrationsrate, und ggf. weitere Blutuntersuchungen wie Bestimmung eines Blutbildes, Elektrolyte, Leberwerte, im Krankenhaus Blutgasanalyse und ggf. Anlegen einer Blutkultur. Ein Abflusshindernis lässt sich durch eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnwege feststellen. Wie wird ein akutes Nierenversagen behandelt? Die Behandlung hängt von der jeweiligen Ursache ab. Im Falle eines Flüssigkeitsmangels wird im Krankenhaus eine Infusionsbehandlung durchgeführt. Wenn Medikamente das akute Nierenversagen ausgelöst haben, müssen diese ggf. abgesetzt, die Dosis angepasst oder durch andere Medikamente ersetzt werden. Bei einer Abflussstörung des Urins muss diese beseitigt werden wie z.B. Katheterwechsel im Falle eines verstopften Blasenkatheters oder Entfernung von Harn- oder Nierensteinen. Manchmal muss vorübergehend eine Dialyse durchgeführt werden. Bei rechtszeitiger Behandlung erholen sich die Nieren nach einem akuten Nierenversagen meistens wieder, wenige Patientinnen und Patienten benötigen eine dauerhafte Dialyse. Neben dem Alter hat auch die Dauer der Erkrankung und eine mögliche Vorschädigung der Niere einen Einfluss auf den Verlauf. Was können Sie vorbeugend selber tun? Bei bestimmten Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder einer vorbestehenden chronischen Nierenerkrankung ist das Risiko für ein akutes Nierenversagen erhöht. Daher ist es sinnvoll, zur Früherkennung alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up machen zu lassen, um eventuell vorbestehende noch nicht bekannte Vorerkrankungen frühzeitig festzustellen. Sind diese Vorerkrankungen bereits bekannt, sollten regelmäßige Verlaufskontrollen durchgeführt werden, um die medikamentöse Einstellung eines Diabetes mellitus oder Bluthochdrucks zu überprüfen und ggf. anzupassen. Und natürlich gelten die bekannten Empfehlungen zu ausreichender Bewegung, gesunder Ernährung und Vermeidung von Übergewicht, um das Risiko für Diabetes und Herzkreislauferkrankungen so gering wie möglich zu halten. geschrieben von Dr. Hertramph Mittwoch, den 10. Dezember 2025
von Brigitte Sauter 28. November 2025
Bei den sogenannten Sick Day Rules geht es um Ratschläge für das Medikamentenmanagement während einer akuten Erkrankung. Sie sind vor allem für Patientinnen und Patienten mit chronischen Leiden wie Diabetes mellitus wichtig. Von den Sick Day Rules habe ich erstmalig nach Einführung der sogenannten SGLT 2 Hemmer gehört, letztlich sind sie aber auch bei einer Vielzahl weiterer Medikamente anzuwenden. Worum geht es? Sick Days heißt übersetzt einfach: kranke Tage. Die Einnahme von Medikamenten ist wichtig in gesunden Zeiten, also in Zeiten, in denen Sie keinen akuten Infekt haben, wo sie sich normal und ausgewogen ernähren und einem normalen Alltag nachgehen können. Wenn dies nicht gegeben ist, also wenn Sie einen akuten Infekt haben, womöglich mit hochfieberhaften Temperaturen, wenn Sie wiederholt erbrechen müssen oder heftige Durchfälle haben, wenn Sie Bauchschmerzen haben und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl, wenn Sie – aus welchen Gründen auch immer – mehr als 24 Stunden fasten (Coloskopie-Vorbereitung, vor geplanten Operationen) oder eine deutliche Veränderung Ihrer normalen Ernährung (zu kohlenhydratarmer Kost) eingeleitet haben, dann sind bestimmte Medikamente mehr Gefahr als Nutzen für Sie. Das bedeutet konkret: Diese Medikamente müssen in solchen Fällen pausiert werden. Um welche Medikamente geht es? SGLT 2 Hemmer (zum Beispiel Forxiga oder Jardiance): diese werden eingesetzt bei Diabetes, chronischer Herzschwäche und chronischer Nierenschwäche Diabetes- Medikamente: Insulin, Metformin, Sulfonylharnstoffe Wasseraustreibende Medikamente wie Chlorthalidon, HCT, Xipamid und viele weitere Blutdrucksenker wie so genannte ACE-Hemmer (Ramipril, Lisinopril, …) oder Angiotensin Rezeptor Blocker (Candesartan, Losartan, …) Wenn Sie eines dieser Medikamente nehmen und Sie unsicher wegen der weiteren Einnahme sind, sprechen Sie uns dringlich an. geschrieben von Brigitte Sauter Freitag, den 28. November 2025
von Brigitte Sauter 11. November 2025
Jodid ist ein Element, das wir zwar nur in geringem Mengen zu uns nehmen müssen, aber immens wichtig für uns ist und eine zentrale Bedeutung für die Funktionsfähigkeit unseres Stoffwechsels hat. Unsere Schilddrüse ist darauf angewiesen, ohne Jodid kann sie keine Schilddrüsenhormone produzieren. Diese wiederum regulieren zahlreiche Körperfunktionen, sie wirken auf Herz und Kreislauf, regulieren den Blutdruck, steuern das Gewebewachstum und die Zellteilung und beeinflussen auch die Stimmung sowie das Körpergewicht. Damit ist Jodid essenziell für unseren Körper. Es muss regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden, weil es nicht in größeren Mengen gespeichert werden kann. Und weil es keinen Speicherort gibt, werden bis zu 80 % des täglich aufgenommenen Jods zeitnah verbraucht. Deutschland war lange Jodmangelregion Lange Jahre galt Deutschland als Jodmangelregion. Erst seit den 80er-Jahren, als begonnen wurde, Jodid in Salz und auch manchen Tierfuttern zuzufügen, ist die Jodversorgung für die deutsche Bevölkerung deutlich gestiegen. Dennoch muss man davon ausgehen, dass Menschen, die in der Vergangenheit unter einem Jodmangel gelitten haben, auch heute noch die Folgen verspüren. Das häufigste, was bei einem Jodmangel auftreten kann, ist der so genannte Kropf – die Vergrößerung der Schilddrüse, die auch mit Struma bezeichnet wird. Wer bereits eine Struma hat, ist anfälliger für Schilddrüsenknoten und auch für Schilddrüsenfunktionsstörungen, also eine Schilddrüsenüber- oder Unterfunktion. Diese Probleme entwickeln sich meist über Jahre und Jahrzehnte, d.h. sie haben ihren Ursprung in der Vergangenheit. Um einen Jodmangel feststellen zu können, muss ein Sammelurin auf Jodid erfolgen. Dies ist keine alltägliche Untersuchung. Wieviel Jodid ist erforderlich? Je nach Alter und Lebenssituation ist unser Bedarf an Jodid sehr unterschiedlich, Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit haben einen deutlich erhöhten Bedarf, Säuglinge und Kinder haben einen geringeren Bedarf als Erwachsene. Hierzu finden Sie am Ende der Seite eine Tabelle. Wie bereits erwähnt, hat die Einführung von jodiertem Speisesalz und auch das Hinzufügen von Jodid zur Tiernahrung bereits dazu geführt, dass es eine bessere Versorgung der deutschen Bevölkerung gibt. Aber auch im täglichen Leben können wir durch unsere Ernährung steuern, ob wir größere oder kleinere Mengen an Jodid zu uns nehmen. Dazu eine Übersicht: https://www.vitalstoff-lexikon.de/Spurenelemente/Jod/Lebensmittel Für die allermeisten von uns ist es wichtig, auf eine ausreichend hohe Jodid-Zufuhr zu achten. Wenn Menschen zu viel Jodid zu sich nehmen, muss das kein Problem sein, vorausgesetzt es handelt sich um eine gesunde Schilddrüse und gesunde Nieren. Bei einer vorerkrankten Schilddrüse und bei eingeschränkter Nierenfunktion kann es allerdings zum Auftreten von Schilddrüsenüberfunktionen kommen, die je nach Ausprägung sogar lebensbedrohlich werden können. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann einhergehen mit vermehrtem Schwitzen, mit Herzrasen, mit Schlafstörungen oder Unruhe, mit Durchfällen und mit Gewichtsabnahme. Man weiß, dass Patientinnen und Patienten, die bereits einen sogenannten heißen Knoten haben, die übermäßige Zufuhr von Jodid dazu führen kann, dass solche Knoten außer Rand und Band geraten. Dann ist eine Einschränkung der Jodid-Zufuhr erforderlich, um eine drohende Schilddrüsenüberfunktionskrise (thyreotoxische Krise) zu verhindern. Was tun? In solchen Fällen ist es wichtig, die Zufuhr an Fisch, Meeresfrüchten und Algen zu begrenzen. Bei normalen Verzehrmengen, also ein- bis zweimaliger Zufuhr von Fisch und Meeresfrüchten oder Algen dürfte kaum eine Überdosis über die Ernährung zu befürchten sein. Gefährlich kann es bei der Zufuhr von Röntgenkontrastmittel oder bei solchen Nahrungsergänzungsmitteln werden, die auf Algenbasis beruhen. Hier kann der Jodid-Gehalt sehr deutlich schwanken. Weitere Infos zum Thema: https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/jod-selen-vitamine-und-ernaehrung/
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