Vorsorgeuntersuchungen
Leider werden in Deutschland Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen immer noch zu selten in Anspruch genommen. Gerade momentan, wo aufgrund der Corona-Pandemie Kontakte möglichst reduziert werden sollen, lässt sich ein Aufschub leicht begründen. Da aber in den Praxen zur Minimierung des Ansteckungsrisikos selbstverständlich hohe Hygienestandards eingehalten werden, besteht kein Grund, die Vorsorgeuntersuchungen weiter aufzuschieben.
Laut einer aktuellen Auswertung des Wissenschaftlichen Institutes der AOK war der Rückgang der Früherkennungsuntersuchungen beim Hautkrebs-Screening am höchsten. Im Pandemiejahr 2020 ließen sich fast 20% weniger Patienten untersuchen als im Jahr zuvor. Am Mammografie-Screening sowie an der Prostatakrebs-Vorsorge nahmen ca. 8% weniger Patienten teil. Damit geht auch ein Rückgang bei den Krebs-Operationen einher.
Die Früherkennung kann keine Krankheiten verhindern. Die Früherkennungsuntersuchungen sollen dazu dienen, bei Menschen ohne Beschwerden Krankheiten in einem frühen Stadium zu entdecken, bevor sie Beschwerden verursachen. Im Falle von Darmkrebs z.B. verspürt man normalerweise erstmal nichts. Wenn die Krankheit Beschwerden wie Unterleibsschmerzen, Verdauungsstörungen oder Blut im Stuhl verursacht, ist sie oft schon weit fortgeschritten und dementsprechend schwer behandelbar. Durch eine Darmspiegelung lassen sich aber unter Umständen bereits Vorstufen einer Krebserkrankung erkennen. Falls Polypen entdeckt werden, werden diese entfernt und histologisch untersucht. Hierbei kann es sich um Adenome handeln, welche noch gutartige Zellveränderungen der Darmschleimhaut darstellen, aus denen sich aber im Verlauf ein Darmkrebs entwickeln kann.
Es ist allerdings nur sinnvoll, Krankheiten möglichst früh zu erkennen, wenn man sie dadurch besser behandeln kann. Das frühe Wissen einer möglichen Erkrankung und Eingreifen sollte also einen gesundheitlichen Vorteil mit sich bringen. Doch wie viele medizinische Maßnahmen können Früherkennungsmaßnahmen auch nutzlos sein. Es gibt eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen, bei denen die Vorteile überwiegen, andere sind umstritten oder können sogar nachteilig sein. Daher lohnt es sich, die Vor- und Nachteile einer Untersuchung abzuwägen.
Welche Früherkennungsuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen empfohlen?
Gesundheitsvorsorgeuntersuchung:
Gesetzlich Krankenversicherte haben zwischen dem 18. Und 35. LJ einmalig Anspruch auf den Gesundheits-Check. Ab 35 Jahren kann die Vorsorgeuntersuchung alle 3 Jahre durchgeführt werden. Ziel ist es vor allem, häufig vorkommende Krankheiten wie Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes frühzeitig zu erkennen.
Hautkrebsscreening:
Kann ab 35 Jahren alle 2 Jahre in Anspruch genommen werden, Untersuchung des gesamten Körpers auf Hautveränderungen, um möglichst früh Krebsveränderungen wie den schwarzen Hautkrebs zu entdecken
Darmkrebs-Vorsorge:
Eine Beratung zum Darmkrebsscreening kann ab 50 Jahren erfolgen. Im Alter von 50-54 Jahren kann jährlich ein Test auf occultes (nicht sichtbares) Blut im Stuhl erfolgen.
Frauen können ab 55 Jahren entscheiden zwischen: entweder Test auf Blut im Stuhl alle 2 Jahre oder Darmspiegelungen im Abstand von 10 Jahren.
Männer können bereits ab 50 Jahren wahlweise alle 10 Jahre eine Darmspiegelung erhalten. Alternativ kann ein Test auf Blut im Stuhl zunächst jährlich, ab 55 Jahren wie bei Frauen nur noch alle 2 Jahre erfolgen.
Wenn Blut im Stuhl entdeckt wird, wird eine Darmspiegelung zur Abklärung der Ursachen angeschlossen
Für Männer:
- Prostata-Krebs-Vorsorge:
Jährliche Untersuchung der Geschlechtsorgane und rectale Untersuchung, ggf. als IGeL-Leistung Bestimmung des PSA-Wertes
- Früherkennung Bauchaortenaneurysma:
ab 65 Jahren einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader auf Bauchaortenaneurysma
Für Frauen:
Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung:
Jährliche Untersuchung ab 20 Jahren mit Gewebe-Abstrich (PAP-Abstrich); ab 35 Jahren alle 3 Jahre kombiniert mit Test auf Humane Papilloma-Viren (HPV)
- Brustkrebs-Früherkennung:
Jährliche Abtastung der Brust ab 30 Jahren. Ab 50 Jahren alle 2 Jahre bis zum 70. LJ Mammografie-Screening der Brust.
Geschrieben von Dr. Hertramph
Mittwoch, 06. April 2022
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